Dossier

Die Münchner
Hochhausstudie 2023.

Die Fortschreibung der Hochhausstudie ist das zentrale städtebauliche Beurteilungsinstrument für Hochhäuser in München. Sie definiert, wo und unter welchen Qualitätsmaßstäben in die Höhe gebaut werden darf. Dieser Beitrag fasst Entstehung, Inhalt, aktuelle Fassung und erste Anwendungserfahrung zusammen — Stand April 2026.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze.

Die Hochhausstudie wurde vom Münchner Stadtrat am 28. Juni 2023 beschlossen und im Februar 2025 textlich präzisiert. Sie ist damit die verbindliche Arbeitsgrundlage der Stadtverwaltung für alle Hochhausvorhaben.

01

Beschluss

Stadtratsbeschluss vom 28.06.2023 zur Anwendung der fortgeschriebenen Hochhausstudie. Fachlicher Entwurf des Büros 03 Architekten, begleitet von einem breiten Beteiligungsprozess „Hoch hinaus?" 2020–2021.

02

Fortschreibung Feb. 2025

Textliche Anpassungen in Kapitel 06 nach Maßgabe des Beschlusses vom 28.06.2023. Systematik und Inhalte der Studie bleiben unverändert.

03

Kein pauschales Höhenlimit

Die Studie kennt keine generelle 60-Meter-Grenze. Sie arbeitet mit fünf Höhenstufen, deren zulässige Traufüberschreitung vom Stadtraum abhängt.

Chronik

Vom Entwurf zum Instrument.

Die Fortschreibung hat fünf Jahre gebraucht. Der Prozess war aufwändig, beteiligungsintensiv — und ist bis heute gerichtlich bestätigt.

05 Feb 2020
Etappe

Vorstellung des Entwurfs im Stadtrat

Büro 03 Architekten · Entwurf der Fortschreibung

Erster Aufschlag der fortgeschriebenen Studie. Anstoß für die öffentliche Diskussion über Höhenentwicklung, Standortkriterien und Qualitätsanforderungen.

Dez 2020 – Okt 2021 Beteiligung
Etappe

Digitale Gesprächsreihe „Hoch hinaus?"

Öffentliche Beteiligung · Online-Format

Umfangreicher Diskussions- und Beteiligungsprozess mit Bürgerschaft, Fachöffentlichkeit und Stadtgesellschaft. Ergebnisse flossen in die Überarbeitung ein.

28 Jun 2023
Beschluss

Stadtratsbeschluss zur Anwendung

Vollversammlung des Stadtrates

Die Hochhausstudie in der Fassung vom April 2023 ist als städtebauliches Prüfraster bei allen künftigen Hochhausvorhaben zu berücksichtigen.

Feb 2025
Aktualisierung

Textliche Anpassung Kapitel 06

Fortschreibung im Vollzug des Beschlusses vom 28.06.2023

Kleinteilige redaktionelle Präzisierungen. Die inhaltliche Systematik (Höhenstufen, Qualitätskriterien) bleibt unverändert.

19 Jan 2026
Rechtslage

BayVGH bestätigt Kurs

Bayerischer Verwaltungsgerichtshof · Az. 4 CE 25.2059

Das Bürgerbegehren „HochhausSTOP" gegen die Anwendung der Studie im Paketpostareal-Verfahren wird endgültig als unzulässig verworfen. Die Studie trägt in der Rechtspraxis.

Inhalt

Die zwei Systembausteine.

Die Studie kombiniert einen räumlichen Leitplan mit einem qualitativen Kriterienkatalog. Standortfrage und Qualitätsfrage sind getrennt, aber untrennbar.

A

Höhenstufenplan

Für das gesamte Stadtgebiet ordnet die Studie fünf Höhenstufen zu. Sie legen fest, um welches Maß ein Vorhaben die Traufhöhe seiner Umgebung maximal überschreiten darf — abhängig von Stadtraum, Topografie und städtebaulicher Bedeutung. Eine pauschale Höhenbegrenzung ist darin ausdrücklich nicht vorgesehen.

B

Qualitätskriterienkatalog

Ab Gebäudetyp 3 greift ein verbindlicher Qualitätskatalog mit vier Oberkategorien: Städtebau, Architektur, Gesellschaftlicher Mehrwert sowie Klima & Nachhaltigkeit. Er ist das eigentliche Novum der Fortschreibung und dient als „Messlatte" für die Genehmigungsfähigkeit.

Städtebau

Einbindung in Silhouette, Wegebeziehungen, Blickachsen und Quartiersstruktur. Dichte mit Maß.

Architektur

Gestaltungsqualität, Erdgeschosszonen, Materialität. Internationale Wettbewerbe als Regelfall.

Gesellschaftlicher Mehrwert

Gemischte Nutzung, geförderter Wohnungsbau, öffentliche Räume, Teilhabe an Infrastruktur.

Klima & Nachhaltigkeit

Graue Energie, Kreislaufwirtschaft, Mikroklima, Energiebilanz über den gesamten Lebenszyklus.

Verfahren

Vorgespräche und Machbarkeitsstudie vor Aufstellungsbeschluss. Prüfung von Standorteignung und Höhenstufen-Rechtfertigung im Rahmen der Bauleitplanung.

Aktualität

Nach Beteiligungsprozess um Nachhaltigkeit/Klima und Sichtachsen vertieft. Fassung Feb. 2025 ist aktuell maßgeblich.

Anwendung in der Praxis

Bewährungsprobe Paketpostareal.

Das Paketpostareal ist das erste große Projekt, an dem die Hochhausstudie rechtlich getestet wurde — und das sie bestanden hat.

26.11.2025

Satzungsbeschluss

Die Vollversammlung des Stadtrats beschließt den Bebauungsplan mit Grünordnung. Kern: zwei 155 m hohe Türme nach dem Masterplan von Herzog & de Meuron, rund 1.200 Wohnungen, über 3.000 Arbeitsplätze, 8.500 m² Grünflächen, Einzelhandel, Kultur, Soziales und eine Pflegeeinrichtung.

19.01.2026

BayVGH 4 CE 25.2059

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof verwirft das Bürgerbegehren „HochhausSTOP" endgültig als unzulässig. Tragende Begründung: Die Fragestellung war zu unbestimmt — den Unterzeichnenden war nicht erkennbar, zu welchen konkreten Maßnahmen die Stadt im Erfolgsfall verpflichtet würde.

20.01.2026

Inkrafttreten

Die Stadt teilt in der Rathausumschau mit: Nach Abschluss der noch offenen SoBoN-Nachtragsverhandlungen zum geförderten Wohnungsbau können Bebauungsplan und Flächennutzungsplan-Änderung im Amtsblatt bekanntgemacht und damit in Kraft gesetzt werden.

Stand April 2026

Aktueller Status

Das Baurecht ist faktisch geschaffen, die letzten verfahrensrechtlichen Hürden entfallen. Ein Vorhaben-Baubeginn wird im weiteren Verlauf des Jahres 2026 rechtlich möglich. Die Hochhausstudie ist damit nicht nur politisch, sondern auch justiziell bestätigt.

Unsere Einschätzung.

Die Studie ist ein Fortschritt — aber kein Endpunkt. Sie bildet den Rahmen, in dem sich die Hochhausdebatte in München künftig bewegt. Ob dieser Rahmen trägt, entscheidet sich in der konkreten Anwendung.

Positiv werten wir: die klare Systematik aus Höhenstufen und Qualitätskriterien, die Einbindung von Klima- und Sichtachsenaspekten und — nicht zuletzt — die gerichtliche Bestätigung der Verfahrenslogik im Januar 2026. Kritisch bleibt: die Studie schafft kein Mehr an bezahlbarem Wohnraum, solange der Qualitätskatalog in Genehmigungsverfahren nicht auch als Hebel für verbindliche Sozialquoten und schlankere Verfahren genutzt wird.

Kritik kommt vor allem vom Münchner Forum und Initiativen wie Moloch München, die strengere ökologische und soziale Kriterien sowie verbindlichere Höhenbegrenzungen fordern. Wir teilen das Interesse an ehrlicher, faktenbasierter Diskussion — setzen aber auf die Qualität der Umsetzung, nicht auf pauschale Verbote.

„Die Studie ist das Werkzeug. Ob München damit baut oder bremst, hängt von der politischen Konsequenz in jedem einzelnen Verfahren ab." hochhinaus.bayern, April 2026
Quellen & weiterführend

Zum Nachlesen.

Primärquellen und Berichterstattung, auf denen dieses Dossier aufbaut.

Hochhausstudie 2023 (Langfassung)

Überarbeiteter Entwurf Stand April 2023, Dokument der Landeshauptstadt München (PDF).

PDF öffnen

Stadtportal: Umgang mit Hochhäusern

Offizielle Seite der LH München zur Hochhausstudie, mit Fassung Feb. 2025.

Seite öffnen

Paketpostareal (Stadtportal)

Hintergründe, Masterplan-Entwurf Herzog & de Meuron und Bebauungsplanstatus.

Seite öffnen

BayVGH 4 CE 25.2059

Entscheidung vom 19.01.2026 zum Bürgerbegehren „HochhausSTOP" (Kurzmeldung).

Meldung öffnen

Diskutieren Sie mit.

Die Hochhausstudie ist kein Abschluss der Debatte, sondern ihr Ausgangspunkt. Bringen Sie Ihre Perspektive ein — auf einer unserer Veranstaltungen oder direkt per E-Mail.

Veranstaltungen Kontakt aufnehmen