Thesen & Positionen

Sieben Thesen zu
Wohnraum in der Höhe.

Grundlage unserer Arbeit ist das Thesenpapier vom März 2023. Es beschreibt das Spannungsfeld aus Wohnungsnot, Flächenverbrauch, Ökologie und Ökonomie — und benennt die Fragen, die wir ernsthaft diskutieren müssen.

Ausgangslage

Der Hintergrund.

Die Wohnungsfrage ist zurück in der Mitte der Innenpolitik. In München trifft sie auf eine besondere Dynamik: wachsende Bevölkerung, begrenzte Fläche, steigende Mieten, zunehmender Widerstand gegen Neubaugebiete.

01

Fehlende Wohnungen

Der Pestel-Sozialer-Wohn-Monitor 2026 im Auftrag des Bündnisses Soziales Wohnen (u.a. Deutscher Mieterbund, IG BAU) ermittelt bundesweit rund 1,4 Mio. fehlende Wohnungen — davon über 910.000 Sozialwohnungen. In München fehlen rund 16.900 Einheiten, in Bayern 233.000. Neubaubedarf München: 9.590 Wohnungen pro Jahr.

02

Widerstand gegen Flächenausweisung

Neue Baugebiete stoßen zunehmend auf Widerstand. Das Bürgerbegehren „Grünflächen erhalten" verdeutlicht: Die Ausdehnung in die Fläche ist politisch nur noch begrenzt möglich.

03

Hochhausstudie 2023

Mit der Fortschreibung der Münchner Hochhausstudie wurde am 28.06.2023 eine strategische Weichenstellung getroffen. Die Studie legt fest, wo und wie hoch in den kommenden Jahrzehnten gebaut werden darf — aktuell in der Fassung vom Februar 2025.

Zum Dossier →

04

Konkretes Beispiel: Paketpostareal

Am 19.01.2026 hat der BayVGH das Bürgerbegehren „HochhausSTOP" endgültig als unzulässig verworfen. Der Bebauungsplan mit zwei 155 m hohen Türmen (Herzog & de Meuron), rund 1.200 Wohnungen und 3.000 Arbeitsplätzen ist damit juristisch abgesichert.

Aktueller Stand →

Kernthesen

Unsere sieben Thesen.

Wir stellen nicht die finalen Antworten auf — wir formulieren die Fragen, die jede ernsthafte Debatte beantworten muss.

01

Fläche oder Höhe?

Wohnraum braucht Flächen. Wenn die Fläche nicht in die Breite gehen soll, muss sie in die Höhe. Das ist keine ideologische Entscheidung, sondern eine Rechenaufgabe.

02

Nachhaltig denken

Hochhäuser können ökologisch sinnvoll sein — wenn sie konsequent mit Energie, Kreislaufwirtschaft und Materialeffizienz geplant werden. Graue Energie ist Teil der Rechnung.

03

Stadtbild respektieren

München hat eine gewachsene Silhouette. Hochhäuser müssen sich einfügen — durch Standortwahl, Höhengliederung und Architekturqualität. Nicht jedes Grundstück ist für die Höhe geeignet.

04

Sozialstruktur erhalten

Verdichtung darf nicht zur Verdrängung führen. Soziale Mischung ist ein Wert an sich — und eine Voraussetzung für urbane Resilienz.

05

Bezahlbarkeit sichern

Sozialer Wohnungsbau, Genossenschaften, Förderquoten: Der Instrumentenkasten ist da. Er muss auch bei Hochhausprojekten konsequent angewendet werden.

06

Baupreise im Blick

Steigende Baukosten gefährden den Wohnungsbau insgesamt. Prozesse, Normen und Abgaben gehören ehrlich auf den Prüfstand — ohne Qualität und Sicherheit zu verlieren.

07

Zinsumfeld berücksichtigen

Zinswende und Finanzierungsrealität verändern die Projektkalkulation fundamental. Politik und Wirtschaft müssen gemeinsam tragfähige Rahmenbedingungen schaffen.

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Ihre These fehlt?

Wir verstehen Positionen als Einladung. Diskutieren Sie mit — auf einer unserer Veranstaltungen oder direkt per E-Mail.

Diskussion aufnehmen

Perspektiven

Nachhaltigkeit ist mehr als Dämmung.

Ökologisch denken heißt: Flächenverbrauch, Mobilitätsverhalten, Energiebilanz, Lebenszyklus. Hochhäuser können auf all diesen Feldern Antworten liefern — wenn man sie ganzheitlich plant.

Flächenbilanz

Ein Hochhaus mit 200 Wohnungen bindet pro Wohnung weniger Fläche als ein klassisches Einfamilienhausgebiet. Flächenschonung ist ein Umweltargument.

Mobilität

Verdichtete Quartiere ermöglichen kurze Wege, ÖPNV-Nähe und damit geringere CO₂-Emissionen im Alltag. Dichte ist eine Mobilitätsfrage.

Lebenszyklus

Nachhaltigkeit entscheidet sich nicht nur im Betrieb, sondern schon in der Planung — über Baustoffe, Rückbaubarkeit und Nutzungsflexibilität.

Städtebau

Gute Hochhäuser sind kein Zufall.

Wer Höhe will, braucht Qualität — städtebaulich, architektonisch und gesellschaftlich. Diese drei Qualitätsebenen sind nicht verhandelbar.

Standortqualität

Nicht jedes Grundstück eignet sich für ein Hochhaus. Topografie, ÖPNV-Anbindung, Stadtkontext und Silhouette müssen stimmen.

Architekturqualität

Hochhäuser prägen ein Quartier auf Jahrzehnte. Internationale Wettbewerbe und hohe Gestaltungsansprüche sind Pflicht, nicht Kür.

Nutzungsqualität

Erdgeschosszonen, Mischung aus Wohnen, Arbeiten, Kultur, öffentliche Räume: Ein gutes Hochhaus gibt der Stadt mehr zurück, als es ihr nimmt.